Amberg 1. Digitale Einkaufsstadt 2021

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fördert die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die nächsten zwei Jahre bei der digitalen Weiterentwicklung des innerstädtischen Handels. Am vergangenen Freitag ging der entsprechende Bewilligungsbescheid bei der Gewerbebau ein. Das Wirtschaftsministerium hatte vorab die erfolgreiche Bewerbung bestätigt. Amberg ist damit bayernweit die erste Kommune, die sich „digitale Einkaufsstadt 2021“ nennen darf. „Ich bin sehr froh, dass unsere Wirtschaftsförderung das Antragsverfahren kurzfristig für die Stadt Amberg übernehmen konnte“, so Oberbürgermeister Michael Cerny, „Mit der Projektförderung gehen wir die nächsten Schritte im digitalen Wandel tatkräftig an“.

Ziel des Projektes „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ ist „…die Unterstützung der Infrastruktur des stationären mittelständischen Einzelhandels und der Innenstädte in Bayern. Demgemäß sollen im Rahmen des Projektes für Bayern neuartige Projekte, die als Vorbild auch für andere dienen können, bzw. Fortentwicklungen bestehender Instrumente gefördert werden“, so das Staatsministerium.

Erst Mitte April 2021 hatte das Wirtschaftsministerium bayernweit zur Bewerbung um diese Förderung aufgerufen. „Aufgrund bereits laufender Digitalisierungsmaßnahmen in der Stadt Amberg und vieler Erfahrungen sowie Ideen in meinem Team waren wir für eine gute Bewerbung sehr schnell handlungsfähig“, so Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik, der sich auch für die Unterstützung des städtischen Finanzreferats bedankt. „Ein rasches Vorgehen war uns wichtig, da die Maßnahmen ja mit den Corona-Lockerungen als Unterstützung für unsere gebeutelten Händler schnellstmöglich einsetzen sollen“.

Das Ministerium spielte mit. Auf die Bewerbung der Wirtschaftsförderung mit ausführlicher Projektbeschreibung Anfang Mai folgte bereits Ende Mai die positive Entscheidung für die Stadt Amberg. Der formale Antrag vom 01.06.2021 mündete nun in einem Bewilligungsbescheid.

Amberg ist, was die Digitalisierung anbelangt, seit einigen Jahren erfolgreich tätig. Institutionelle, aber auch private Akteure engagieren sich intensiv für die Steigerung der innerstädtischen Attraktivität. Corona und die massiven Einschränkungen für den Handel zeigten dann die Chancen des digitalen Wandels rasch auf. Mit dem neuen Webauftritt der Stadt Amberg, der Webpräsenz von Stadtmarketing und Tourismus sowie der Amberg-App und den Digitalisierungsseiten der Amberger Wirtschaftsförderung waren Grundsteine für diese unerwartete Krise gelegt, die auch überregional wahrgenommen wurden. So kletterte die Stadt Amberg bereits im Ranking „Digitales Deutschland 2019“ (Haselhorst Associates) von ursprünglich Platz 115 auf Platz 44 im bundesweiten Vergleich, bayernweit sogar auf Platz 6 und liegt damit sogar vor Regensburg.

Mit dem ersten Lockdown im März 2020 konnte das digitale Unterstützungsangebot für den lokalen Handel  auf diesen Grundlagen sehr kurzfristig weiter ausgebaut werden. Die Wirtschaftsförderung startete mit „Amberg hilft“ – dem heutigen Amberg-Blog – eine Schnittstelle zwischen Handel und Lieferdiensten. Eine Privatinitiative von Michael Sandner bietet heute noch mit „Amberg liefert“ herausragende Leistung für die Stadtgesellschaft. Die Amberg-App wurde um einen digitalen Einkaufsführer erweitert. Altstadt-Wirtschaftsförderin Verena Fitzgerald bot den Händlern als „Google Local Guide“ Hilfestellung bei den ersten Schritten in Online-Präsenz und -handel. Am Eingang zur Altstadt wird eine digitale Stele getestet, auf der Bürger und Besucher tagesaktuell Informationen zur Einkaufsstadt erhalten können.

Die Coronakrise hat sich nachhaltig negativ auf die Kundenfrequenz und das Einkaufserlebnis ausgewirkt. Viele Kunden suchen daher den Weg zu internationalen E-Commerce-Plattformen. Hier setzt die digitale Einkaufsstadt an. „Digitale Medien müssen künftig in den Arbeitsalltag der Unternehmen, in städtische Projektpläne und in das Konsumverhalten der Kunden integriert werden“, so Verena Fitzgerald von der Gewerbebau. „Langfristig darf für eine moderne Einkaufsstadt keine Unterscheidung zwischen stationärem und digitalem Handel mehr nötig sein. Die Vorteile beider Welten müssen eng verzahnt und effizient genutzt werden“.

Um dieses Ziel zu erreichen wird die Wirtschaftsförderung eine agile Arbeitsgruppe aus verschiedenen beteiligten Akteuren einsetzen. Ein festes Zeitpensum und Budget, verbunden mit konsequentem Projektmanagement sollen im ersten der zwei Projektjahre die digitale Infrastruktur voranbringen. Der Ausbau des Amberg-Blogs (aktuelle Reichweite auf Instagram durchschnittlich 70.000 Impressionen pro Woche), die Eröffnung eines Stadtlabors in der Bahnhofstraße mit einem digitalen Schaufenster, flexiblen Coworking-Plätzen, einem Popup-Showroom und Möglichkeiten von eCommerce- und Marketing-Workshops sind kurzfristig geplant. Darüber hinaus wird Amberg einen Online-Marktplatz bei „ebay - Deine Stadt“ einrichten. „Click & Collect“-Boxen sowie weitere Standorte von digitalen Stelen sollen folgen.

Eine laufende Erfolgskontrolle von Maßnahmen beispielsweise durch Messung der Passantenfrequenz soll eine Entscheidungsgrundlage für die Akteure liefern, ob die schnellen Testprojekte weiter umgesetzt werden, zu optimieren sind oder pausieren. Neben der Wirtschaftsförderung setzen sich die Akteure aus Vertretern der Stadtverwaltung, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Ostbayerischen Technischen Hochschule zusammen.