Straßennamen

Die Geschichten hinter den Straßennamen

Die Straßen und Plätze in Amberg werden im Hinblick auf ihre Namensgeber überprüft. Dabei soll in die Prüfung einbezogen werden, ob die Benennung einer Persönlichkeit im Nachhinein Bedenken auslöst, weil diese Person Ziele und Wertvorstellungen verkörpert, die im Widerspruch zu den Grundsätzen der Verfassung, der Menschenrechte bzw. einzelner für die Gesamtrechtsordnung wesentlicher Gesetze steht.

Erschwerend ist es, wenn der durch die Straßenbenennung geehrten Person über ihre Ziele und Wertvorstellungen hinaus schwerwiegende persönliche Handlungen (Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Rassismus, Kriegsverbrechen u.a.m.) oder die aktive Mitwirkung in einem Unrechtssystem zuzuschreiben sind.

Eine Umbenennung von Straßennamen erfolgt grundsätzlich nicht. Vielmehr wird unter dem Straßennamenschild eine entsprechende Erläuterung angebracht. Weitere Informationen können außerdem auf dieser Internetseite nachgelesen werden.

Namensgeber:

Felix Graf von Luckner (1888-1966)

Wann, wer und warum beschlossen:

Der Stadtrat beschloss diese Straßenbenennung am 23.03.1981. Eine Begründung für die Widmung der Straße findet sich im Stadtratsprotokoll nicht.

Kriterien, warum die Benennung einer Straße nach Luckner heute nicht mehr erfolgen würde:

Der Vorbildcharakter eines „Kriegs-Helden“ ist mehr als umstritten. Darüber hinaus sympathisierte Felix Graf von Luckner stark mit Nationalsozialismus, wenngleich weniger aus politischen, als vielmehr aus persönlichen Gründen (finanzielle Motive und persönliche Geltungssucht).

Kurz-Info:

Zwischen dem Seeoffizier des Ersten Weltkriegs (Beiname „Seeteufel“) und dem Schriftsteller gab es eine vielfältige Zusammenarbeit mit den NS-Machthabern. Er war aber auch 1945 maßgeblich an der Rettung der Stadt Halle vor deren Zerstörung beteiligt.

Zur Geschichte:

Die Familie des späteren Seeoffiziers stammt aus Cham i. d. Opf. Felix Graf von Luckner wurde am 09.06.1881 in Dresden geboren. Berühmtheit erlangte er weil er als Kommandant des Hilfskreuzers „Seeadler“ die britische Seeblockade durchbrach und weil er - wie er in seinem im Mai 1920 erschienen Buch „Seeteufel“ schreibt - 16 feindliche Schiffe binnen eines Jahres aufbrachte, wovon er 14 versenken ließ, wobei nur ein Seemann ums Leben gekommen sein soll.

1922 nahm er eine umfangreiche Vortragstätigkeit im In- und Ausland auf. 1926 lief er mit dem Schiff „Vaterland“ in die USA aus, wo er sich 1931 auf dem Höhepunkt der Popularität befand. Wegen seiner Schulden wurde sein Schiff zum Zeitpunkt der Machtergreifung im Hafen von New York gepfändet, deshalb kehrte er nach Deutschland zurück. Zunächst diente sich Luckner, der nie Mitglied der NSDAP war, vor allem aus finanziellen Gründen den Nationalsozialisten an, für deren Propaganda er sich aber immer mehr einspannen ließ.

1945 war Luckner maßgeblich an der Rettung der Stadt Halle vor deren Zerstörung beteiligt. Er starb am 13.04.1966 in Malmö.