Universitätstage

44. Erlanger Universitätstage 2023 in Amberg

Thema: Nachhaltigkeit

28. Februar bis 28. März 2023
Großer Rathaussaal

Die Veranstaltungsreihe ist kostenfrei und findet in Präsenz statt.

Alle aktuellen Informationen zu den Vorträgen sowie eventuelle Änderungen am Programm finden Sie online auf der Internetseite http://fau.info/universitaetstage.

Kontakt: Blandina Mangelkramer, Stabsstelle Presse und Kommunikation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), presse(at)fau.de, Tel. +49 9131 85-70229

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Freundinnen und Freunde
unserer Universitätstage,

das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Spätestens seit den Wetterereignissen der vergangenen Jahre ist fast allen klar geworden, dass der Klimaerwärmung dringend etwas entgegengesetzt werden muss. Nur wenn wir umdenken, unser Leben und vor allem unsere Gewohnheiten ändern, werden wir – auch wenn uns das noch so schwerfällt – den nachfolgenden Generationen eine Welt hinterlassen, die auch ihnen ein chancenreiches Leben ermöglicht und gute Lebensqualität verspricht.

Umso wichtiger und zielführender ist es, diese die Medien beherrschende Thematik auch einmal aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten – und bei welcher Gelegenheit wäre das besser möglich als bei den Erlanger Unitagen in Amberg? Ich freue mich daher sehr, wenn von Ende Februar bis Ende März einmal mehr fünf Professoren aus unterschiedlichen Fakultäten zu uns ins Amberger Rathaus kommen, um diese Fragen aus dem Blickwinkel ihrer jeweiligen Disziplin zu beleuchten. Dazu heiße ich die Vertreterinnen und Vertreter der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ebenso wie unsere Zuhörerinnen und Zuhörer ganz herzlich im Großen Rathaussaal willkommen und wünsche ihnen interessante, lehrreiche und kurzweilige Abende.

Den Organisatorinnen und Organisatoren der FAU und unseres Kulturreferats gilt mein herzlicher Dank für die Vorbereitungsarbeit und dafür, dass die Erlanger Unitage nun bereits zum 44. Mal in Amberg stattfinden können.

Michael Cerny
Oberbürgermeister Amberg, im Januar 2023

Welche dringendere Aufgabe könnte die Wissenschaft haben, als die großen Fragestellungen unserer Gesellschaft aufzunehmen und an Lösungen zu arbeiten? Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Und so ist nur konsequent, dass sich an der FAU zahlreiche Forscherinnen und Forscher intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir Menschen langfristig eine Welt gestalten, in der wir alle gut leben können. Dabei wird immer wieder deutlich, dass Nachhaltigkeit so viel mehr ist als der Schutz unserer Umwelt. Ihre Bedeutung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebensbereiche – von der Gesundheitsversorgung über die Wirtschaftswelt bis hin zum Zusammenleben in der Gesellschaft. Bei den 44. Erlanger Universitätstagen Amberg greifen wir daher ganz unterschiedliche Aspekte dieses wichtigen Themas auf: Welche Strategien brauchen wir gegen den Klimawandel und gegen den Schwund der Biodiversität? An welchem Punkt kippen Systeme? Warum hängt vieles vom Wasser ab? Wie könnte nachhaltigere Energie aussehen? Und wie können wir nachhaltiger konsumieren? Wir alle – auch Sie,

liebe Gäste, Zuhörerinnen und Zuhörer – haben viele Fragen. Und wir hoffen, die Wissenschaft kann nach

und nach immer mehr Antworten geben.

Prof. Dr. Joachim Hornegger
Präsident der FAU Erlangen, im Januar 2023

„Nachhaltigkeit hat mit Ökonomie, Ökologie, Soziales nicht nur drei Dimensionen, sie kann auch nur gelingen, wenn Strategie, Struktur und Kultur im Einklang stehen.“

Prof. Dr. Matthias Fifka
FAU Sonderbeauftragter für Nachhaltigkeit

Dienstag, 28. Februar 2023
Prof. Dr. Wolfgang Kießling

Nachhaltigkeit für Biodiversität und Klima

Die Bedrohung durch Klimawandel und Artenschwund betrifft uns alle. Beide Krisen sind stark miteinander verwoben, werden aber bisher von der Politik als separate Themen betrachtet. Biodiversitäts-, Klima- und Nachhaltigkeitsziele werden wahrscheinlich scheitern, wenn diese Problemfelder weiterhin isoliert betrachtet werden. Viel schlauer wäre es, sich die engen Verflechtungen von Klima und Biodiversität zu Nutze zu machen, um so gegen beide Krisen effektiver vorzugehen. FAU-Paläobiologe Prof. Dr. Wolfgang Kießling erklärt wie genau das funktionieren könnte. Schlüssel sind eine Begrenzung des Klimawandels auf 1,5°C, naturbasierte Anpassung an den Klimawandel und ein Netzwerk aus geschützten Land- und Meeresgebieten, die Kohlenstoff speichern und Artenwanderungen erlauben.

Prof. Dr. Wolfgang Kießling. Foto © David Hartfiel

Prof. Dr. Wolfgang Kießling ist seit 2012 Inhaber des Lehrstuhls für Paläoumwelt an der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg. Er kam nach Stationen am Museum für Naturkunde in Berlin und der University of Chicago zurück an seine Alma Mater, wo er 1995 promoviert hatte. Er forscht über die Auswirkungen des Klimawandels auf Arten und Ökosysteme über verschiedene Zeitskalen und leitet eine Forschungsgruppe zu diesem Thema. Er wurde als Hauptautor für den Expertenbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) berufen. Die Berichte des IPCC, oft als „Weltklimarat“ bezeichnet, gelten als Grundlage der weltweiten Klimapolitik. Wolfgang Kießling war Hauptautor im sechsten Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe II „Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit“, der letztes Jahr erschienen ist.

Bei Nachhaltigkeit geht um unser langfristiges Wohlergehen. Mit Blick auf unser Klima, Artenvielfalt oder Wasser zerstören wir jedoch die dafür notwendigen Grundlagen. Eine besondere Gefahr geht von sogenannten Kipppunkten aus. Kipppunkte – oder englisch Tipping Points – bezeichnen den Übergang eines Systems in einen neuen Zustand. Es geht um irreversible Entwicklungen, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr aufgehalten und kaum rückgängig gemacht werden können. In ökologischer Hinsicht gilt es, gefährliche Tipping Points zu kennen und mit aller Kraft zu verhindern. Gleichzeitig erfordert dies eine weitreichende wirtschaftliche Transformation. Aber auch der Übergang unseres nichtnachhaltigen, fossilen, linearen Wirtschaftssystems zu einer dekarbonisierten, zirkulären Zukunft erfordert einen disruptiven Systemübergang. Auch hierfür gilt es, die entscheidenden Kipppunkte zu kennen – aber nicht, um sie zu verhindern, sondern aktiv herbeizuführen. Der Vortrag diskutiert abschließend die Rolle von Politik und Unternehmen bei der Vermeidung und Herbeiführung nachhaltigkeitsrelevanter Kipppunkte.

Prof. Dr. Markus Beckmann. Foto © Rurik Schnackig

Markus Beckmann studierte Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien (Kulturwirt) in Passau, an der Universidad de Málaga und der University of Washington, Seattle. Von 2003 bis 2005 am Wittenberg Zentrum für Globale Ethik tätig. 2009 wurde er in Wirtschaftsethik an der Universität Halle-Wittenberg promoviert. Als Juniorprofessor für Social Entrepreneurship forschte und lehrte er von 2009 bis 2012 am Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität Lüneburg. Seit 2012 ist Markus Beckmann Inhaber des Lehrstuhls für Corporate Sustainability Management an der FAU. Er ist Gründungsmitglied des just initiierten Forum N, einer Plattform für den Austausch von Universität und Praxis zum Thema Nachhaltigkeit. Zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Beckmann gehören neben Nachhaltigkeitsmanagement und Social Entrepreneurship auch Wirtschafts- und Unternehmensethik sowie Corporate Social Responsibility.

Der Kreislauf des Wassers wird schon seit jeher vom Klima beeinflusst. Umgekehrt ist Wasser auch ein wichtiger Klimafaktor. In diesen Zeiten erleben wir beeindruckende Änderungen des regionalen und globalen Klimas. Dies ist oft mit komplexen Interaktionen von Wasserzyklen, Kohlenstoffkreisläufen und Landnutzungen gekoppelt. Kohlenstoffkreisläufe sind aber auch eng mit dem Wasserkreislauf verbunden. Ein Beispiel hierzu ist Photosynthese, deren CO2-Aufnahme nur mit Wasser funktioniert. Andererseits gibt es auch CO2 Abgaben an die Atmosphäre aus Flüssen, die bedeutend sind. Gegenwärtig ist man eher an CO2-Senken – wie beispielsweise an Verwitterung von Silikatgesteinen – interessiert. Auch diese Prozesse hängen stark von Wasserverfügbarkeiten ab. In jedem Fall ist man zurecht besorgt, dass der Wasserzyklus wegen Landnutzungs- und Klimaänderungen aus dem Gleichgewicht gerät. Neben Temperaturänderungen äußert sich dies auch in ausgeprägten Dürren und Starkregenereignissen. Gegenwärtig sucht man nach Lösungen, sich an solche extremen Wasser-Verteilungsmuster anzupassen und versucht in der Landschaft Puffer und Ausgleiche zu schaffen. Der Vortrag soll über Möglichkeiten, Unsicherheiten und Forschungsaspekte zu diesem Thema informieren.

Prof. Johannes Barth. Foto © Elias Barth

Hydrogeologe Johannes Barth ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Geologie am GeoZentrum Nordbayern. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Kanada und Großbritannien. Er ist nicht nur ein anerkannter Experte für Grund- und Oberflächengewässer, sondern forscht auch zum Thema Kohlenstoff und Sauerstoffkreisläufe in Gewässern, die sich insbesondere bei Wassermangel und Temperaturänderungen massiv verändern können. Seit 2014 ist er Präsident des deutschen Kommitees der International Association of Hydrogeologists (IAH-D).

Dienstag, 21. März 2023
Prof. Dr. Katharina Herkendell

Bioelektrochemie: Chancen für nachhaltige Energiesysteme

Das Team von Prof. Herkendell konzentriert sich auf die emissionsarme energetische Restverwertung von Abfallstoffen durch enzymatische und mikrobielle Umwandlung. Im Vortrag erläutert sie, wie beispielsweise in Biobrennstoffzellen grüner Strom aus der Oxidation organischer Verbindungen erzeugt werden kann, wie sie in normalen Haushaltsabfällen, Körperflüssigkeiten oder in Abwässern vorkommen. Außerdem erklärt sie die Nachhaltigkeitspotentiale für biologisches und bioelektrochemisches „Power-to-X“ – einer aufstrebenden Methode zur Erzeugung von Biomethan als Erdgasersatz. Hier kann Überschussstrom aus erneuerbaren Energien genutzt werden um Abfallströme aufzuwerten, z. B. von CO2. Das Potenzial für bioelektrochemische Energiesysteme liegt in der Verwendung kostengünstiger Materialien, der dezentralen Anwendbarkeit, der erneuerbaren Katalysatorquelle, dem Betrieb bei Umgebungsbedingungen und dem langfristig prognostizierten geringeren Energieeintrag als bei thermochemischen Routen.

Prof. Dr. Katharina Herkendell. Foto © Georg Pöhlein

Prof. Dr. Katharina Herkendell beschäftigt sich im Rahmen ihrer Juniorprofessur mit bioelektrokatalytischen Systemen und Bioreaktordesign. Der Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Vernetzung von Strom und biologischen Energieumwandlungsprozessen für die Erforschung alternativer Brennstoffe. Die Vertiefung im Skalieren von Biobrennstoff- wie Elektrolysezellen bauen auf Arbeiten an der ETH Zürich auf, wo sie von 2015 bis 2018 am Departement für Maschinenbau und Verfahrenstechnik promovierte und im Anschluss als Postdoc tätig war. Auf dem Gebiet der enzymatischen Bioelektrochemie forscht Sie seit ihrer Diplomarbeit an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Ihre Diplomingenieurausbildung schloss sie 2014 am Karlsruher Institut für Technologie mit Auszeichnung ab. An der FAU ist sie seit dem September 2020 als Juniorprofessorin am Department Chemie- und Bioingenieurwesen berufen. Seit 2021 fungiert sie als Beiratsmitglied der ProcessNet Fachgruppe für Energieverfahrenstechnik.

Mit zunehmendem Bewusstsein für den Klimawandel innerhalb der Gesellschaft ist der Schutz der Umwelt zu einem immer wichtigeren Thema geworden. Trotz Forderungen von Verbrauchern nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen führen positive Einstellungen oft noch nicht zum Kauf eines nachhaltigen Produktes. Selbst wenn Konsumenten die Wahl haben, wählen sie meistens die funktionale Alternative, die der Umwelt schadet. In ihrem Vortrag über „Nachhaltige Innovationen und Konsumentenverhalten“ erklären Prof. Dr. Kai-Ingo Voigt und seine Mitarbeiterin Lauren Mackintosh, wie Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes es schaffen, können das Verhalten von Verbrauchern in Richtung Umweltfreundlichkeit zu verschieben. Zudem präsentieren die Vortragenden ihr spannendes neues Forschungsprojekt „BIOTEXFUTURE TransitionLab“, welches sich mit der Konsumentenwahrnehmung von nachhaltigen Innovationen in der Textilindustrie beschäftigt. In diesem Projekt wurden rund 350.000 Social Media Daten analysiert, um Konsumentensegmente für nachhaltige Textilien sowie Motivationen für ihren Kauf und ihre Nutzung zu identifizieren.

Prof. Dr. Kai-Ingo Voigt & Lauren Mackintosh, M.Sc. Foto © Giulia Iannicelli

Seit 1998 ist Prof. Dr. Kai-Ingo Voigt Inhaber des Lehrstuhls für Industrielles Management an der FAU und war von 2003 bis 2005 Dekan der WiSo-Fakultät. Seit 2021 ist er Dekan für Weiterbildung und seit 2006 außerdem Zweitmitglied der Technischen Fakultät. Als Visiting Professor forscht er an der Tongji-Universität, Shanghai, China, der Universidad de Alcalá, Spanien, und am Babson College, USA. Ferner wurde er als erster internationaler Wissenschaftler zum Gastprofessor der University of International Business and Economics (UIBE) Beijing, China, ernannt. Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Voigt liegen in den Gebieten: Technologie-, Innovations- und Ideenmanagement (insbesondere Geschäftsmodellinnovationen), Kreativität in Unternehmen, Industrielle Wertschöpfung und Industrie 4.0 und 5.0 (Schwerpunkte: Automobilindustrie und Maschinen- und Anlagenbau), Beschaffungs- und Produktionsmanagement, industrielle bzw. B2B-Plattformen, datengetriebene Geschäftsmodelle in der Industrie. Seit 2022 ist Lauren Mackintosh wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Industrielles Management an der FAU. In ihrer Forschung befasst sie sich mit nachhaltigen Innovationen und dem Verhalten der Konsumenten.


Rückblick auf vergangene Veranstaltungen

Thema: Künstliche Intelligenz

8. März 2022 bis 5. April 2022
Großer Rathaussaal
Beginn jeweils um 19.30 Uhr
Eintritt frei

Die Veranstaltung ist kostenfrei und soll in Präsenz stattfinden (begrenzte Teilnehmerzahl). Für alle Besucher gilt die 2G Plus-Regel.

Da der Zugang momentan noch auf 50 Personen beschränkt ist, werden ab kommenden Mittwoch, 23. Februar 2022, Zählkarten in der Tourist-Information ausgegeben. Eventuelle Restkarten sind dann an der Abendkasse erhältlich.

Je nach aktueller pandemischer Lage, besteht die Möglichkeit, dass die Veranstaltung nur online durchführt werden kann. Sollte dieser Fall eintreten, finden Sie spätestens eine Woche vor Veranstaltungsbeginn auf der Internetseite fau.info/universitaetstage  weitere Informationen und einen Einladungs-Link, über den Sie an allen Vortragsabenden kostenlos Zugang zur Veranstaltung erhalten.

Download: Flyer Universitätstage 2022

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freundinnen und Freunde unserer Universitätstage,

„KI ist wahrscheinlich das Beste oder das Schlimmste, was der Menschheit passieren kann“, befand der 2018 verstorbene Physiker Stephen Hawking. Sicherlich bezog sich diese Aussage in der Hauptsache auf die sogenannte starke Künstliche Intelligenz, die im Gegensatz zur schwachen Variante bei vielen Menschen große Befürchtungen und Vorbehalte evoziert. Schließlich wird damit assoziiert, dass Maschinen eines Tages auch menschliche Emotionen, Absichten und Reaktionen adaptieren und entsprechend handeln könnten – mit dem Ergebnis, dass nicht mehr wir es sind, die das Geschehen bestimmen, sondern dass die Maschinen ein Eigenleben entwickeln und schließlich uns Menschen dominieren.

Weniger bedenklich stimmt uns da die schwache KI, der wir bereits heute unter anderem in Navigationssystemen, Texterkennungsprogrammen und in der Spracherkennung begegnen. Diese Anwendungen bedienen sich verschiedener Algorithmen, bei denen die Lösungswege – obwohl auch dieses System lernen und sich damit anpassen kann – weitgehend vorgegeben sind. In diesem Sinne erleichtert uns die KI fraglos unseren Lebensalltag und ist uns eine wertvolle Hilfe. Da Künstliche Intelligenz derzeit immer mehr in den Mittelpunkt rückt, freue ich mich sehr darüber, dass die verschiedenen Aspekte dieses hochaktuellen Themas nun an den Universitätstagen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg aus verschiedenen Blickwinkeln von wissenschaftlicher Seite untersucht und dargelegt werden.

Dafür, dass sie damit wieder einmal am Puls der Zeit agiert und uns interessante, lehrreiche Stunden beschert, gilt der FAU, allen voran der neuen Koordinatorin Prof. Dr. Maren Conrad, mein Dank. Frau Prof. Conrad heiße ich an dieser Stelle herzlich willkommen und wünsche ihr weiterhin viel Freude bei der Ausgestaltung ihrer neuen Aufgabe.

Michael Cerny
Oberbürgermeister

Was ist Künstliche Intelligenz? Egal, ob als Chat-Bot auf der Homepage Ihrer Bank, als Automat an der Hotline Ihres Telefonanbieters, als dichtender Algorithmus im Internet oder als Computerprogramm, das statt eines Menschen journalistische und andere Texte schreibt: In unserem Alltag sind die kleinen KI-Helfer längst ganz unauffällig angekommen.

Was aber macht eine KI aus? Wie prägt sie unseren Alltag schon heute? Wie kann und wird sie unser Leben in Zukunft anders und besser machen? Und welche Rolle spielt sie in Kultur und Wissenschaft? Diesen Fragen widmen sich die 43. Erlanger Universitätstage, die fortzuführen ich in der Nachfolge von Professor Dr. Rudolf Freiburg ab 2022 als neue Koordinatorin dieser Veranstaltungsreihe die Ehre habe.

Mit dem Thema ‚Künstliche Intelligenz‘ bringen wir dabei einen der aktuell wichtigsten Forschungsschwerpunkt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu Ihnen nach Amberg. Denn die FAU ist traditionell ein starker Standort für Künstliche Intelligenz (KI). Einer der ersten Lehrstühle im Themengebiet wurde bereits im Jahre 1975 von Prof. Heinrich Niemann erfolgreich aufgebaut und liefert bis heute weltweit beachtete Grundlagen in diesem Bereich. Aktuell erforschen mehr als 60 Lehrstühle und Professuren Anwendungen der KI in den Gebieten Medizin, Manufacturing und Digital Humanities, sowie übergreifende Fragestellungen etwa zur Ethik der KI.

In fünf Vorträgen werden namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU Erlangen-Nürnberg uns in diese Forschungsgebiete Einblicke geben, eigene Arbeit mit der ‚Künstlichen Intelligenz‘ vorstellen und das Thema aus den Perspektiven der Rechtswissenschaften, der Naturwissenschaften und der Physik, der Medizin, der Informatik und dem Bereich der Fertigung in den Blick nehmen, um uns zu zeigen, wie die KI schon jetzt und in Zukunft eine zentrale Rolle in der aktuellen Forschung und damit auch in unserer Kultur und Gesellschaft einnimmt.

Wir freuen uns auf eine spannende gemeinsame Veranstaltung!

Prof. Dr. Maren Conrad

Frau Prof. Dr. Maren Conrad (Juniorprofessur für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur am Department Germanistik und Komparatistik) organisiert die Reihe dieses Jahr in der Nachfolge von Prof. Freiburg zum ersten Mal.

Dienstag, 8. März 2022
Prof. Dr. Franz Hofmann LL.M.

Was darf KI?

Die absehbare Verbreitung autonomer Systeme stellt die Rechtsordnung für neue Regulierungsaufgaben. Wie soll mit algorithmischer Rechtsdurchsetzung umgegangen werden? Ist es tatsächlich wünschenswert, wenn Rechtsbrüche von vornherein technisch verhindert werden können? Was ist die Antwort des Rechts auf technische Unzulänglichkeiten (z. B. bei „Upload-Filtern auf Interaktionsplattformen) oder unter dem Aspekt der Diskriminierung? Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wer für Fehlverhalten von „Künstlicher Intelligenz“ einzustehen hat. Im Vortrag werden die Fragen weiter veranschaulicht und herausgearbeitet, dass die Rechtsordnung schon heute Lösungen anzubieten hat. Das „Neuland“ ist aber weder rechtlich vollumfänglich erkundet noch sind Lösungen für die vielen Interessenkonflikte abschließend ausgehandelt.

Prof. Dr. Franz Hofmann, LL.M. (Cambridge) ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Recht des Geistigen Eigentums und Technikrecht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Interessenschwerpunkte sind die Grundprinzipien im Recht des Geistigen Eigentums und des Lauterkeitsrechts, Fragen der Rechtsdurchsetzung („Law of Remedies“) und Haftungsfragen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Rechtsfragen der Digitalisierung („digitales Urheberrecht“) und Rechtsfragen rund um „neue Medien“ wie YouTube etc.

Dienstag, 15. März 2022
Prof. Dr.- Ing. Felix Freiling

Chancen und Risiken des Einsatzes von KI bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität

Neue Informationstechnologien erlauben immer auch neue Möglichkeiten der Begehung von Straftaten, die häufig mit dem Begriff „Cyberkriminalität“ belegt werden. Im Hinblick auf die Abhängigkeit hochentwickelter Gesellschaften von (kritischen) IT-Infrastrukturen bedroht diese Kriminalität heute die Stabilität unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Die neuen Informationstechnologien eröffnen jedoch auch neue Möglichkeiten der Strafverfolgung, wie etwa automatisierte Datensammlung und –auswertung im Netz. Die Effektivität dieser neuen Methoden provoziert jedoch regelmäßig die Frage nach den Auswirkungen auf die Grundrechte der Betroffenen. Anhand einiger Beispiele aus der Forschung versucht dieser Beitrag, das Dilemma des Einsatzes von künstlicher Intelligenz in diesem Bereich zu illustrieren. Dabei geht es sowohl um die Probleme von Straftätern, moderne Sicherheitssysteme auszutricksen, als auch um die Schwierigkeiten von Strafverfolgern, automatisiert erlangte Analyseergebnisse als Beweise zu verwenden.

Prof. Dr. Felix Freiling studierte und promovierte in Informatik an der TU Darmstadt. Nach universitären Stationen an der EPF Lausanne, RWTH Aachen und der Universität Mannheim wurde er 2010 auf den Lehrstuhl für Informatik 1 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Schwerpunkte seiner Arbeitsgruppe in Forschung und Lehre sind offensive Methoden der IT-Sicherheit sowie digitale Forensik (IT-Beweismittelsicherung und -analyse). Mitglieder der Arbeitsgruppe sind aktiv im FAU Security Team (FAUST), das regelmäßig an weltweit ausgetragenen Hacker-Wettbewerben teilnimmt.

Dienstag, 22. März 2022
Prof. Dr.- Ing. habil. Marion Merklein

Potential der KI in der Produktionstechnik

In vielen industriellen Bereichen, insbesondere des Transportwesens, entwickelte sich in den letzten Jahren der Trend zum Leichtbau. Durch Leichtbaukonstruktionen kann der Verbrauch der Fahrzeuge gesenkt und gleichzeitig die Umweltverträglichkeit verbessert werden. Gerade höchstfeste Werkstoffe sowie hybride Fertigungsverfahren gewinnen in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Allerdings ist auch die Verarbeitung dieser Werkstoffklasse wesentlich komplexer und anspruchsvoller. Im Rahmen des Vortrags sollen daher innovative Verfahren dargestellt werden, wie durch Methoden der Künstlichen Intelligenz der Ausschuss reduziert und gleichzeitig die Qualität der Komponenten gesteigert werden kann. Damit wird schließlich die CO2-Bilanz verbessert und die Ressourceneffizienz optimiert.

Prof. Dr.- Ing. habil. Marion Merklein studierte von 1992 bis 1997 an der Universität Erlangen-Nürnberg Werkstoffwissenschaften und promovierte 2001 am Lehrstuhl für Fertigungstechnologie. Im Jahr 2006 erfolgte ihre Habilitation im Fachgebiet Fertigungstechnik mit Fokus auf die Charakterisierung von Blechwerkstoffen für den Leichtbau. Im Anschluss erhielt Marion Merklein gleich drei Rufe aus dem In- und Ausland. Sie übernahm 2008 Professur und Ordinariat des Lehrstuhls für Fertigungstechnologie in Erlangen. Von 2010 bis 2011 engagierte sie sich als erste Prodekanin, danach bis 2015 als Dekanin der technischen Fakultät der FAU. Marion Merklein erhielt bis heute zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter auch den hoch dotierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der DFG (2013). Im Jahr 2018 wurde sie für ihre herausragenden Leistungen in der Wissenschaft sowie ihre Vorbildfunktion für den akademischen Nachwuchs mit dem bayerischen Verdienstorden geehrt. Neben ihrer Funktion als Dekanin engagiert sich Marion Merklein auch ehrenamtlich. Sie ist unter anderem Mitglied im bayrischen Ethikrat, dem Senat der DFG sowie Fellow der internationalen Akademie für Produktionstechnik (CIRP).

Dienstag, 29. März 2022
Prof. Dr. Florian Marquardt

KI und Physik

Können Computer eines Tages eigenständig Entdeckungen in einer Naturwissenschaft wie der Physik machen? Methoden der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens, wie tiefe neuronale Netze, haben ganz besonders seit 2016 Einzug in die Physik gefunden. Die vielfältigen Beispiele reichen von der Klassifizierung von Galaxien bis zur Erkennung magnetischer Zustände der Materie, von der effizienten Vorhersage der Dynamik vieler Teilchen bis hin zur besseren Kontrolle von Quantencomputern. In diesem Vortrag werde ich einen Überblick über diesen sich schnell entwickelnden Bereich der Physik geben, inklusive einiger Ideen aus unserer eigenen Forschung.

Florian Marquardt ist aktuell Professor für theoretische Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie, seit 2016, Direktor am Max-Planck-Ins- titut für die Physik des Lichts. Er hat in Bayreuth studiert und in Basel 2002 pro- moviert. Nach Aufenthalten an der Yale Universität, USA, und als Emmy-Noether Juniorgruppenleiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist er 2010 nach Erlangen berufen worden. Seine Arbeitsgebiete umfassen die Schnittstelle zwischen der Nanophysik und der Quantenoptik, mit Themen wie der Kopplung zwischen Licht und mechanischer Bewegung (Optomechanik), der Quanteninformationsverarbeitung, und dem topologischen Transport von Wellen. Seit 2016 ist ein Schwerpunkt der Forschung seiner Arbeitsgruppe die Anwendung von Methoden des maschinellen Lernens auf Problemstellungen aus der Physik und das langfristige Ziel, mit solchen Methoden eine neue Form kreativer Wissenschaft zu ermöglichen.

Dienstag, 5. April 2022
Prof. Dr. Oliver Amft

Von KI, Digitalen Zwillingen und Wearables in der Medizin

Dieser Vortrag betrachtet ausgewählte Möglichkeiten zum Einsatz von KI und innovativer Technologie in der Medizin. Ausgehend von berühmten Erfolgen von KI wird der Blick zunächst auf die Einsatzmöglichkeiten in medizinischen Daten geworfen. Es wird diskutiert, welche Art und Funktion von KI in der Medizin erfolgversprechend sind und was deren Grenzen sind. Sind KI-basierte Schätzungen für geschlossene, rückgekoppelte Systeme geeignet? Lassen sich die Leistungsgrenzen von KI schätzen? Der folgende Teil fokussiert auf erklärbare Verfahren. Es wird dargestellt, wie menschliche digitale Zwillinge für das Verstehen von KI-basierten Entscheidungen und das Entdecken neuer Zusammenhänge in großen Daten genutzt werden können. Die zukünftige Bedeutung der medizinischen Entscheidungsunterstützung für Patienten wird anhand von Projekten zur gemeinsamen Entscheidungsfindung von Mensch und KI dargestellt. Der letzte Teil des Vortrags beschäftigt sich mit der gemeinsamen Modellierung und Simulation von menschlichen und technischen digitalen Zwillingen in Alltagssituationen. Ziel ist dabei u.a. die Gestaltung von personalisierten Wearables. Abschließend werden Zukunftsvisionen aufgezeigt.

Oliver Amft, Jahrgang 1975, hat an der TU Chemnitz Elektrotechnik und Informationstechnik studiert und hatte zwischen 2000 und 2004 R&D und Leitungspositionen bei der Firma ABB inne. 2008 promovierte er an der ETH Zürich mit Auszeichnung in den Bereichen Wearable Computing, Musteranalyse und Biomedizin. Danach folgten Positionen als Assistant Professor im Bereich Signalverarbeitung an der TU Eindhoven bis 2013 und anschließend als erster Leiter des W3 Lehrstuhls für Sensorik an der Uni Passau. Seit September 2017 leitet er den neu gegründeten Lehrstuhl für Digital Health an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Amft ist Mitautor von über 200 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und hat verschiedene wissenschaftliche Auszeichnungen gewonnen. Er ist in Gremien führender, internationaler Zeitschriften für Biomedizinischen Technik und ubiquitäre Computersysteme tätig und engaiert sich für Startups im Bereich der datenbasierten Medizintechnologie.